Sunday, February 7, 2010

article 'bonsai prices' - German only!

Diesen Artikel habe ich im Jahre 1987 geschrieben für ein Bonsaimagazin. Er wurde nie gedrucket. Entweder hat der Redakteur nicht verstanden,ws sich sagen wollte, oder er hat es mir nicht geglaubt, oder er wollte seine Leser nicht überfordern. Ich bin ja kein Profi, was Bonsai betrifft. Betriebswirtschaft jedoch habe ich studiert. Deshalb stehe ich heute noch hinter diesem Artikel, auch wenn man einfach für DM Euro einsetzen muss.



Bonsaipreise



Die Preise, die für die kleinen Bäumchen verlangt werden, sind oft schon erstaunlich. Insbesondere uralte Solitäre weisen fast astronomische Summen auf ihren verschämt angebrachten Preisschildern auf. Ein echter Kunstkenner hat dafür noch Verständnis, ein uraltes Gemälde hat ja auch seinen Preis. Wenn aber offensichtliche Massenware mit mehr oder weniger großen Fehlern bereits mehrere hundert Mark kostet, dann muss hier ja einer kräftig am Import verdienen. Da könnte man ja durch eine eigene Bonsaizucht in Europa reich werden.

Diesen Gedankengängen wollen wir anhand eines konkreten Beispiels auf den Grund gehen. Nehmen wir an, dass ein erfahrener Fachmann einen zwölfjährigen Fächerahorn als Baumschulpflanze in 5 Jahren zu einem hübschen Bonsai gestaltet. Der Baum kostet ca. DM 50.- in der Baumschule, die Schale ebensoviel. Wer jetzt meint, dass der Bonsai DM 100.- kosten soll, der sollte genauer hinsehen. Erstens kostet der Fachmann Geld, sicherlich soviel wie ein guter Facharbeiter. Setzen wir also DM 30.- pro Stunde an.

Darüber hinaus fallen noch weitere Materialkosten für Erdmischung, Draht Dünger etc. an. Das eingesetzte Kapital muss sich verzinsen. 5 % sind wohl ein bescheidener Ansatz. Immer wieder geht ein Baum ein, besonders in den ersten Jahren sind die Ausfälle groß. Die überlebenden Bäume müssen die dadurch entstandenen Ausfallkosten tragen. In der Tabelle 1 sind diese Kosten über mehrere Jahre eingetragen.


Jeder wird verstehen, warum Kosten für Lohn und Materialeinsatz anfallen. Die Zinsen sind schon weit schwieriger zu begreifen. Sie werden ja tatsächlich nicht bezahlt, sondern nur angenommen, was aber betriebswirtschaftlich seriös ist. Man kann sich das so erklären: nach 3 Jahren sind Kosten von DM 920.90 angefallen. Falls man den Baum zum Kostenpreis verkauft hätte, könnte man die DM 920.90 zu 5 % anlegen und hätte für das 4. Jahr DM 46.- an Zinsen dafür erhalten. Das Ausfallrisiko wird natürlich auch nicht bezahlt, sondern nur angenommen. Das Risiko besteht darin, dass ein gewisser Prozentsatz der Bäume während der Entwicklung eingeht. In diesem fall wird angenommen, dass im ersten Jahr 10 %, im zweiten 5 %, vom dritten bis fünften Jahr jeweils 3 % der Bäume sterben oder als Bonsai wertlos werden.

Die Tabelle ist übrigens für einen Betriebswirtschaftler noch viel zu grob und unvollständig. So fehlen z.B. die sogenannten Gemeinkosten. Das sind Kosten für Gebäudemieten, Elektrizität, Wasser, Verwaltung usw. Man kann normalerweise davon ausgehen, dass dafür noch einmal mindestens 20 % auf die bisherigen Kosten aufgeschlagen werden müssen. Das Ergebnis ist aber auch so schon erstaunlich. Der Baum kostet nach 5 Jahren DM 1.355.10. Davon entfallen auf Material 260.-, auf Lohn 720.- auf Zinsen 208.20 und auf Ausfallrisiko 166.90. Bis jetzt hat aber noch kein Händler an dem Bonsai ein Mark verdient! Kann er auch nicht, denn nicht einmal der Bonsaigärtner kommt auf seine Kosten. Ein 17-jähriger Fächerahorn ist nämlich für DM 1355.- unverkäuflich, auch wenn er noch so gut gestaltet ist. Wenn der Mann Glück hat, dann kann er für den Baum DM 300.- von einem Liebhaber bekommen, von einem Händler wesentlich weniger. Also im besten Fall weniger als 25 % der anzusetzenden Kosten.

Das heißt: Bonsaizucht kann in Europa nur als Hobby betrieben werden. Die entstehenden Kosten werden durch den Markt nicht annähernd getragen. Der Preis für selbstgezogene

Bäume muss in Europa regelmäßig weit unter den Kosten liegen. Insbesondere die Arbeitszeit müsste weit unter dem Stundensatz eines Facharbeiters liegen, damit sich die Sache betriebswirtschaftlich einigermaßen lohnt.

Das ist der Grund, warum die Miniaturbäume massenweise aus dem fernen Osten importiert werden und in Europa nur ganz wenig weitere Arbeit darauf angewendet wird. So ist es auch erklärlich, dass leider weithin Bäume mit schweren Drahtschäden und anderen, an sich leicht zu behebenden Fehlern zu erwerben sind. Die Arbeitszeit, die zum Beheben dieser Fehler aufgewendet werden müsste, wird vom Markt bei weitem nicht bezahlt. Das ist auch der Grund, warum Bonsaigärtner in Europa vielleicht glücklich sind, aber nie reich. Bei Händlern sieht das etwas anders aus, aber längst nicht so rosig, wie der Laie meint.

Übrigens ist es interessant, hochzurechnen, wie viel der Baum nach 50 Jahren kosten würde: Angenommen wird, dass ab dem 5. Jahr DM 200.- pro Jahr für Lohn und Material anfallen, sowie 5 % Zinsen für das eingesetzte Kapital plus 3 % Ausfallrisiko. Diese durchaus konservativen Annahmen ergeben nach 50 Jahren die unglaubliche Summe von DM 121.658.- als betriebswirtschaftliche Kosten, wobei die Gemeinkosten noch gar nicht berechnet sind. Spätestens jetzt wird klar, dass ein 50-jähriger Bonsai zu DM 10.000.- eine echte Okkasion darstellt. Reich ist daran, streng betriebswirtschaftlich, niemand geworden - ganz im Gegenteil. Bei diesen Berechnungen wird immer davon ausgegangen, dass der Baum auch tatsächlich die ganzen Jahre über von einem Fachmann gepflegt wird.

Wie sieht es mit den Kosten für Findlinge aus? Der Laie meint, dass ein Findling gar nichts kostet, weil er eben gefunden wurde. Tatsächlich kostet das Material insofern nichts, als normalerweise kein Geld dafür ausgegeben wird. Aber das Suchen und Ausgraben, sowie die weitere Pflege bis der Baum endlich in eine Schale gesetzt werden kann, kostet durchaus etwas. Der Autor hat bereits sehr viele Jahre an Erfahrung gesammelt und kann als Beispiel die Findlingsausbeute eines Jahres hernehmen. Dies könnten, bei sehr intensiver Sammeltätigkeit 50 Stück sein. Dafür wurden tatsächlich mehr als 30.000 km gefahren um die Bäume zu suchen und dann auszugraben. Es wurden 60 Tage zu 12 Stunden dafür gebraucht, wobei sehr viel Fahrzeit enthalten ist. Das Ausfallrisiko ist natürlich weit höher, als bei Baumschulpflanzen. Damit man die Bäume endlich als Rohmaterial zum Gestalten betrachten kann, müssen mindestens 5 Jahre an Vorbereitungszeit vergehen. Erst nach dieser Zeit kann man die Bäume verkaufen, wenn man seriös arbeitet. In der Tabbelle 2 sind diese Kosten aufgeführt.

Tabelle 2: Die Kosten für 50 Findlinge, die in einem Jahr gesammelt werden

Die Kosten für alle Findlinge nach 5 Jahren sind also zusammen DM 63.719.-. Allerdings sind es leider nicht mehr 50 Stück, sondern im besten Fall nur mehr 30. Das bedeutet, dass ein Findling letztlich DM 2.124.- kostet. Diese Kosten sind nur in ganz wenigen Einzelfällen tatsächlich als Preis zu erzielen. Für 30 Stück, wie in unserem Beispiel geschildert, ist das unmöglich.

Auch hier sieht man, dass der Versuch, vom seriösen Verkauf von Findlingen reich zu werden, scheitern muss. Es ist in der Regel unmöglich, die tatsächlich entstandenen Kosten beim Verkauf zu erzielen. Von einem Gewinn, also einem Preis über den Kosten kann gar keine Rede sein.

Die weitere Gestaltung der Findlinge kann man analog zur Tabelle 1 kalkulieren, nur muss man in diesem Beispiel als Materialkosten im 1. Jahr dann DM 2.124.- einsetzen. Dass nach 5 bis 10 Jahren Gestaltung eine astronomische Summe als kalkulierte Kosten herauskommen muss, ist klar. Auch hier wird wieder deutlich, dass ein guter gestalteter Findling bedeutend mehr wert ist als er kostet. So kann man auch verstehen, dass in Japan tatsächlich astronomische Preise für Spitzenstücke erzielt werden.

Allerdings sind die Kosten nur ein Teil der Preisgestaltung. Egal wie hoch die Kosten sind, der für den Baum zu erzielende Preis kann darunter oder darüber liegen. Das hängt davon ab, in welcher Verfassung der Markt ist und wie der Markt den konkreten Baum bewertet. Die Qualität macht letztlich den Preis. Der kann in Einzelfällen natürlich auch weit über den Kosten sein. Nach den bisherigen Beispielen kann man es dem Bonsaikünstler wohl nur wünschen, dass er auch hin und wieder einen echten Gewinn macht. Meist ist es aber so, dass genau diese Bäume, bei denen das möglich wäre, gar nicht abgegeben werden, weil es sich um äußerst seltene Prachtstücke handelt.

3 comments:

Ana V said...
This comment has been removed by the author.
Ana V said...

Some of the text is messed up badly in automatic translation, still, I understand that this was an example of cost-pricing bonsai. How about taking it one step further on the buyer's side? It could go like this:

Leaving aside trades among amateurs and collecting, I'd take the case of buyers with no skills of maintaining bonsai - the folks who must 'rent' bonsai or otherwise commit to future purchase of a stream of maintenance services. One way or another, the 'property' is only partially transferable due to intrinsic properties, or their effects on ownership should be otherwise accounted for. Would bet that this has allot to do with pricing too, and there is some indication that this was the case: some historic records of early bonsai shops in Europe and the US hint that at some unusual business models dealing with these realities. It isn't very obvious how far those went, only that their problems remain.

The theory is fairly clear. How about practice?

I am surprised that associations only rarely state explicitly their equivalent function [insuring legacy].

Bernd said...

Als Handelsfachwirt und Bonsai-Hobbyist gefällt mir die Betrachtungsweise sehr gut. Sie führt uns sehr anschaulich vor Augen das viele Bonsai eigentlich mehr Wert wäre als für sie bezahlt wird.